Psychiatriereform: Der Wiener Weg als Vorbild

Seit fünf Jahren Psychosozialer Dienst

Seit fünf Jahren besteht nun der Psychosoziale Dienst, Gesundheitsstadtrat Stacher zog eine Erfolgsbilanz. Durch diese Einrichtung konnte der Zielplan für die Psychiatriereform Schritt für Schritt verwirklicht werden. Alternative Betreuungs- und Behandlungszentren für psychisch Kranke wurden eingerichtet. Die Folge: Es gab und gibt wesentlich weniger Einweisungen in die psychiatrischen Krankenhäuser. Mittlerweile ist die Wiener Psychiatriereform zum Modell für zahlreiche andere Länder geworden.

Seit Bestehen des Psychosozialen Dienstes haben weit über 15.000 Menschen dessen Einrichtungen in Anspruch genommen; das heißt, daß jeder 100. Wiener bereits einmal Kontakt mit den Stellen des Dienstes hatte. Die Inanspruchnahme erfolgt freiwillig, ist kostenlos und auf Wunsch auch anonym.

 Pro Jahr gibt es 60.000 Behandlungs- und Betreuungskontakte. Über 10 Prozent davon sind „mobil“, das heißt, sie erfolgen auf Wunsch der Patienten außerhalb der Behandlungszentren, zumeist in der eigenen Wohnung. In den Zentren sind neben Ärzten und Krankenpflegepersonen auch Psychologen, Sozialarbeiter sowie Beschäftigungs- und Bewegungstherapeuten tätig.

 Durch die Reformmaßnahmen innerhalb der beiden Psychiatrischen Krankenhäuser Wien und Ybbs und die alternativen Möglichkeiten der Versorgung außerhalb konnte die Zahl der Patienten seit Beginn der Psychiatriereform auf der Baumgartner Höhe von 2700 auf 1500 und in Ybbs von 1120 auf 600 gesenkt werden. Gestiegen sind hingegen die freiwilligen Aufnahmen von etwa 12 Prozent vor Beginn der Reform auf nunmehr 45 Prozent. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung zählt laut Stacher die weitere Reduzierung der Zahl der Zwangsaufnahmen zu den wesentlichsten Zielen im Rahmen der Psychiatriereform.