„Dezentralisierung“ der psychisch Kranken

Eigenbericht der »Presse«

WIEN (bm). Seit 1979 konnte die Zahl der psychisch erkrankten Patienten auf der Baumgartner Höhe von 2600 auf 1600 reduziert werden. Im zweiten großen psychiatrischen Krankenhaus für Wien, dem Krankenhaus Ybbs, konnte in den vergangenen fünf Jahren eine ähnliche Situation herbeigeführt werden: hier sank die Zahl der Patienten von 1100 auf 600.

Diese Zahlen sind das Ergebnis der Wiener Psychiatriereform, die seit ihrer Genehmigung im Jahre 1979 schrittweise in die Praxis umgesetzt wird. Anläßlich einer Enquete über die psychiatrische Versorgung in Wien betonte gestern Gesundheitsstadtrat Alois Stacher, daß diese Entwicklung der vergangenen Jahre 
nur durch ein flächenabdeckendes Versorgungssystem möglich geworden sei. Konkret wurden dazu vor allem Nachbetreuungseinrichtungen außerhalb des Krankenhauses errichtet, die die Krankenhäuser entlasten sollen.

Der psychosoziale Dienst der Stadt Wien, Tageskliniken, geschützte Werkstätten oder Wohngemeinschaften sind Bestandteile dieser 
Dezentralisierungspolitik. Insgesamt 40 solcher Institutionen gibt es derzeit in Wien.

Überfällig sei jedoch die Novellierung der Bundesgesetze zur Regelung der Zwangseinweisung psychisch Kranker, ein Entwurf dazu liege jedoch nach wie vor unbearbeitet im Parlament, kritisierte Stacher.