Kurier
22. April 1980
Die Irrenhäuser haben ausgedient
1. Psychosoziales Zentrum in Wien eröffnet
Kurier
22. April 1980
Zum „Welttag der Psychiatrie“ (heute, Dienstag) – er soll dazu beitragen, in der Bevölkerung mehr Verständnis für psychisch Kranke und ihre Probleme zu erreichen –erstellte Gesundheitsstadtrat Alois Stacher eine erfreuliche Zwischenbilanz für Anstrengungen einer Psychiatriereform in Wien: Genau am Vortag des Welttages wurde am Montag in aller Stille in Wien-Floridsdorf das erste „Psychosoziale Zentrum“ fertiggestellt und in Betrieb genommen. Es bedeutet dies die schrittweise Abkehr von Irrenanstalten und psychiatrischen Großkrankenhäusern.
Mit dem Zielplan der psychiatrischen Versorgung – er wurde vor fast genau einem Jahr fertiggestellt – hatte man die Grundlagen für eine umfassende Reform auf diesem Gebiet geschaffen. So sollen nach und nach acht Stationen des psychiatrischen Krankenhauses Baumgartner Höhe auf ganz Wien verteilt werden. In den regionalisierten Stationen sollen die Patienten wesentlich besser und mit Beteiligung der Angehörigen behandelt werden können. Fernab von einem großen Spitalsbetrieb mit allen seinen Nachteilen.
Die Errichtung des Psychosozialen Zentrums in Floridsdorf ist dazu ein weiterer Schritt.
In diesem Zentrum – es ist derzeit noch als Modell gedacht – sollen im wesentlichen drei Dinge passieren: 1. Nachbehandlung für Entlassene. 2. Ambulanz für psychosoziale Notfälle. Diese Ambulanz soll vor einer Einlieferung in ein Krankenhaus wirksam werden und soll bei guter Behandlung anstatt eines Krankenhausaufenthaltes zum Tragen kommen.
Andere erfreuliche Fakten: Die Patientenzahl konnte im letzten Jahr um 200 gesenkt werden, 178 zusätzliche Betreuer sorgen derzeit für die in den Krankenhäusern Verbliebenen.
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